Mit der Universität Münster haben wir eine Kommunikations-Seminar-Reihe aufgesetzt – bestehend aus mehreren Teilen, für mehrere Zielgruppen. Ziel ist es insbesondere, Professorinnen kommunikativ zu stärken. Ich freue mich sehr auf dieses Projekt, denn die Kombination aus Wissenschaft und angewandter Kommunikation ist für mich eine der spannendsten überhaupt. Mehr dazu zu einem späteren Zeitpunkt.
Unser erstes gemeinsames Event: ein Seminar zum Thema „Schlagfertigkeit“. Offen für alle, die sich angesprochen fühlen – und der große Hörsaal war der Nachfrage gut gewachsen. Was mich immer wieder fasziniert: Kaum ein Thema zieht so verlässlich so viele Menschen an wie dieses.
„Wie kündigen wir das Seminar an?“ – diese Frage begleitet mich seit Jahren. Manchmal formulieren Veranstalter selbst, und dann klingt es meist so: „Nie mehr sprachlos!“ oder „Schlagfertigkeit lernen“. Auch diesmal haben wir uns auf einen solchen Titel geeinigt. Obwohl ich weiß: Er wird dem Inhalt kaum gerecht.
Denn es geht um so viel mehr. Es geht um Resilienz, um gute Kommunikation – und vor allem um die eigene innere Haltung. Das weiß ich. Die Auftraggeber wissen das. Und dennoch: Ein Titel wie „Kommunikation mit Haltung“ oder „Umsichtig kommunizieren lernen“ hätte den Vortrag nicht binnen Minuten ausgebucht. Menschen buchen, was sie dringend brauchen und was mit leichten Lösungen daherkommt. Zumindest im Titel. Dass sie dann etwas ganz anderes bekommen, erfahren sie vor Ort früh genug.
Die „Schlagfertigkeit“ ist das trojanische Pferd.
Jeder will sie – und gleichzeitig findet fast jeder das Wort irgendwie problematisch. „Schlagen“ klingt hart, fast aggressiv. Und alle spüren instinktiv: Es ist zu wenig. Es beschreibt nur die Oberfläche von etwas, das in Wirklichkeit viel tiefer reicht.
Daher war ich sowohl vorbereitet als auch erfreut, als sich nach unserem Ankündigungstext eine Professorin der Universität meldete und fragte: „Wollen wir das denn sein? Ist das unsere Haltung als Universität?“
Wie toll! Nein – das wollt ihr nicht, und das sollt ihr nicht.
Schlagfertigkeit ist nur ein Werkzeug in einem prall gefüllten Koffer. Sie kommt nie böse daher. Sie soll niemanden kleinmachen oder degradieren. Sie ist kein Instrument der Macht, sondern der Klarheit. Und dennoch brauchen wir sie – aber im Kontext und vor allem mit Haltung.
Seit zwölf Jahren suche ich nach einem anderen, ebenso einprägsamen Begriff. Einem, der das Ganze trifft – die Haltung, die Resilienz, die Menschlichkeit dahinter. Vielleicht haben Sie eine Idee? Schreiben Sie mir gern!
Wenn ich als Trainerin in Unternehmen gebucht werde, bieten wir Schlagfertigkeit schon lange nicht mehr allein an. Sie funktioniert nur in Kombination mit guter Kommunikation – denn ich sehe es genauso wie die kritische Professorin. Die schnelle Antwort ist nicht das Ziel. Sie ist der Türöffner. Das trojanische Pferd der Kommunikation – das uns dorthin bringt, wo es wirklich interessant wird.
Wie das Projekt an der Universität weitergeht? To be continued.



