Gegen Sexismus hilft auch Loyalität unter Frauen

Frauen solidarisiert euch

Schlagfertigkeit ist keine Frage der Rhetorik, sondern eine Lebenseinstellung

Unangenehme Situationen und die Reaktion auf anzügliche Sprüche sind regelmäßig Thema meiner Schlagfertigkeitsseminare. Jede von uns kennt sie. Von den Herren kommt eine Bemerkung, die wir Frauen als unangenehm und unpassend empfinden. Drei Sekunden haben wir Zeit für die Antwort. Leider bleiben Frauen häufig in diesen Momenten sprachlos. Das geht an die Substanz und verletzt das Selbstbewusstsein. Schlagfertigkeit ist für mich keine Frage der Rhetorik, sondern eine Lebenseinstellung. Im ersten Schritt hilft es zu erkennen, dass diese Sprüche mehr über das Gegenüber als über sich selbst aussagen. Gerne erzähle ich dazu folgende Geschichte, die ganz nebenbei eine der verrücktesten Geschichten ist, die mir je berichtet wurde. 

Für die Summe müssten Sie eigentlich unter meinem Tisch arbeiten.

Eine Dame forderte in einem Gespräch über eine anstehende Gehaltsverhandlung 300 Euro mehr und ihr Chef antwortete: „Für diese Summe müssten Sie eigentlich unter meinem Schreibtisch arbeiten.“ In diesem Fall appelliere ich an den gesunden Menschenverstand. Der Gedanke, dass der Chef so wirkt als sei er in jungen Jahren vom Wickeltisch gefallen, ist erlaubt und wichtig. Was der andere macht haben wir nicht in der Hand, aber es hilft den Blickwinkel zu verändern. Das schützt Selbstzweifeln und wir werden wieder handlungsfähig. Mit Selbstbewusstsein reicht schon eine non-verbale Antwort oder meine Lieblingstechnik des „Nicht-Denkens“. In dem Fall könnte die Antwort sein: „Unterm Tisch? Was genau soll ich da?“ In meiner persönlichen Definition von Schlagfertigkeit ist sie mehr als die passende Antwort. Ich rege an zu überdenken, wem gestehe ich es zu, mir wertvolle Lebenszeit durch Ärger zu stehlen.

Wir kommen nur mit Frauen-Loyalität weiter

Die Geschichte ist noch nicht zu Ende und dieser Teil ist mir besonders wichtig. Nach dem Gespräch erzählt die Dame ihrer Kollegin was passiert ist. Wir alle wünschen uns in diesem Moment Solidarität. Doch was passiert, wenn die Kollegin antwortete: „Vielleicht war der Rock auch etwas zu kurz…?“. Bei meinen Trainings geht es mir nicht um das Gegenüber, das können wir nicht beeinflussen. Der Chef bleibt wie er ist und sind wir ehrlich, die Kollegin weiß das. Vielleicht hat sie ebenfalls eine unschöne Auseinandersetzung mit ihm gehabt. Wir wissen nie welcher Erfahrungen in dem Rucksack unseres Gegenübers sind und wie es sich anfühlt ihn zu tragen. Ich wünsche mir von den Frauen mehr Zusammenhalt, denn Männer sind oft solidarischer im Umgang miteinander als Frauen. Es ist einfach auszuteilen. Kritik ist selbstverständlich erlaubt, aber wichtig ist, der Ton macht die Musik. Ich habe selbst während meiner Krebserkrankung Schlagfertigkeit neu reflektiert. Als ich glatzköpfig und ohne Brüste durch die Welt ging wurde mir klarer denn je, dass es nicht darum geht das letzte Wort zu haben und dadurch verbrannte Erde zu hinterlassen. Schlagfertigkeit bedeutet für uns selbst einstehen und die paar Jahre, die wir haben, ohne Ärger zu verbringen.

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