Anstrengende Weihnachten?! „Verschwenden Sie nicht die Festtage in Diskussionen ohne Einigung“

Bildrechte: Chad Madden / Unsplash

Die angeblich schönste Zeit des Jahres steht wieder vor der Türe. Unsere Erwartungshaltung ist meist hoch, sollen die paar freien Tage doch gefälligst den ganzen Stress der letzten Wochen, oder besser noch Monate wettmachen. Dieses Jahr sind wir optimistisch, dass uns die innere Balance gut gelingt, denn: Wir haben dazu gelernt!

Mit viel Glück und innerer Haltung gelingt es uns, die Vorweihnachtszeit besser zu genießen. Endlich halten sich alle an die Vorgabe „Wir schenken uns nichts.“, sodass unsere To-do-Liste ad hoc um 23 Punkte kleiner wird. Wir haben vielleicht sogar gelernt „Nein.“ zu sagen und nehmen uns die Freiheit raus, nicht auf allen Weihnachtsfeiern zugegen zu sein. Und wir haben sogar gelernt, dass die Kinder sich nur selten an ein geputztes Heim erinnern. Denn den Satz „Mama, das Fest war so schön, weil das Bad so schön geputzt war“, haben wir in den vergangenen Jahren noch nie gehört. Also, die allerbesten Voraussetzungen friedliche Weihnachten im Kreise der Verwandten zu verbringen….

Wäre da nicht …

Ja, wäre da nicht das aktuelle Weltgeschehen. Konflikte, wo man hinschaut. Schlimmer noch: Kriege, die nahezu vor der Haustüre stattfinden. Corona hatten wir noch nicht verarbeitet, da gesellen sich ganz neue Gesprächsthemen an den schön dekorierten Esstisch. Und ehe man sich versieht, eröffnet Onkel Klaus nach dem dritten Glas Wein das Thema:

„Also ehrlich, was Israel sich rausnimmt, ist auch nicht ok …“
„Was willst du denn damit sagen?“, fragt die politisch interessierte Nichte.

In null Komma nichts haben Sie den Nah-Ost-Konflikt samt dem sehr präsenten Halbwissen mit in der Runde sitzen. Und weil man gerne von Hölzchen auf Stöckchen kommt, werden die Gespräche mit:

„Ganz ehrlich, die Impfungen haben doch nichts gebracht! Alles Lügenpresse.“ und
„Was wir für den Krieg ausgeben, könnten sie besser mal auf die Rente schlagen!“ angereichert. 
„Esst ihr etwa immer noch Fleisch?“, fällt ziemlich genau mit dem Zeitpunkt zusammen, in dem die Gans aus dem Ofen will.

Fröhliche Weihnachten!

Diskussionen ohne Einigung

All das, sind Diskussionen, in denen Sie wenig Aussicht auf Einigung haben. Aber wie gehen wir damit um, ohne unseren Gästen ständig über den Mund zu fahren? Deutschlands wohl bekannteste Kommunikations- und Schlagfertigkeitstrainerin hat ein paar Tipps für Sie:

1. Prävention – Was will ich

Alles startet mit Ihrem „Was will ich“. Abgesehen davon, dass man sich diese Frage immer mal wieder im Leben stellen darf, dürfen Sie sich explizit vor Weihnachten stellen. Denn so können Sie vielleicht schon über die Gästeliste ein paar Konflikte aus dem Weg räumen.

Was wollen Sie von Weihnachten? Diskussionen über Kriege führen? Coronapolitik nach diskutieren, oder gemütlich um den Weihnachtsbaum sitzen und Zeit zusammen verbringen? Aus Ihrem „Was will ich“ ergibt sich Ihre Haltung zu Ihren Gästen. Checken Sie dieses „Was will ich“ mit dem Ihren Gästen ab. Aber: Mutmaßen Sie nicht. 

Es ist kein „Der Klaus will eh immer nur politisieren!“ – es ist eine Frage an Klaus: „Klaus, hast du Lust, mit uns schöne Weihnachten zu feiern? Ohne Politik und Kriege?“

Übrigens: Wenn bei dem „Was will ich“ herauskommen sollte, dass Ihnen bei Onkel Klaus die Nackenhaare hochstehen: Laden Sie ihn nicht ein! Es gibt 360 andere Tage im Jahr, an denen sie sich treffen können.

2. Locker lassen

Wenn Sie das für sich abgeklärt haben, lassen Sie bitte auch locker. Das bedeutet: „Jetzt bin ich mal gespannt, ob sich auch alle daranhalten.“, möchte ich von Ihnen nicht hören. Sie brauchen nicht wie ein Schießhund auf der Lauer zu liegen und alle zu kontrollieren. Sie haben Ihre Haltung deutlich gemacht.

3. Notfall

Was aber nun, wenn sich doch alle streiten? Und zwar über Themen, über die es keine Einigung gibt. 

„Ihr Lieben, wir werden an diesem Tisch weder den Nah-Ost-Konflikt, noch die Massentierhaltung geändert bekommen. Haben wir leider größtenteils nicht in der Hand. Was wir in der Hand haben, ist ein schönes Weihnachtsfest. Ich für meinen Teil möchte das feiern. Daher, ohne etwas unter den Teppich kehren zu wollen: Können wir die Themen für heute abhaken und unser Zusammensein genießen? In Dankbarkeit, dass dies für uns möglich ist? Eben, weil die Welt so grausam ist. Und für die, die weiter diskutieren wollen: Macht doch einen schönen Spaziergang und wenn ihr fertig seid, kommt ihr wieder zum Kaffee dazu!“

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