Frauen gründen anders

„Die Krise als Chance“ oder „Stark aus der Pandemie“ sind Kalendersprüche, die ich schon kenne.

„Du musst nur postiv denken, dann wirste wieder gesund“, war die Version, die mir während er Chemo häufig zugetragen wurde. Die Krönung bildeten gut gemeinte Tassen mit „Aufstehen, Krone richten und weitergehen“. Eine der Tassen landete mit Schmackes an der Wand. Mit einem positiven Schmackes, versteht sich.

Natürlich haben diese Sätze alle einen wahren Kern, aber es macht einen Unterschied von welcher Perspektive ich sie betrachte.

Ich persönlich finde mich in „Wer weiß, wofür es gut ist“, wieder, aber, wenn ich eine Freundin tröste, die mitunter eine schlimme Diagnose bekommen hat, sind das garantiert nicht die richtigen Worte von mir: Ratschläge sind und bleiben Schläge.

Was antworte ich also nun, wenn ich gefragt werde: Frau Staudinger, wie schaffen wir es, gestärkt aus der Krise vorzugehen und das Glück nicht zu verlieren?

Ich kann, werde und möchte nicht für Alle sprechen, aber was mir persönlich geholfen hat ist: Mutige Selbstwirksamkeit. 

Selbstwirksamkeit. 

Ein großes Wort. Und irgendwie abstrakt.

Ist es aber eigentlich nicht.

Nehmen wir backen.

Wer backen kann, zeigt eindrucksvoll, das er selbst wirksam ist.

Er kann aus eigener Kraft einen Kuchen machen.

Toll!

Ich kann ihn übrigens ganz fantastisch essen. Jede macht, was sie kann.

Diese Selbstwirksamkeit ging mir schon im ersten Lockdown flöten.

Alles, was ich mir selbst erarbeitet hatte, wurde mir genommen. So fühlte es sich an. 200 Live Auftritte, darunter Bühnenshows und Seminar, einfach weg. Talkshowauftritte, Interviews, Netwerkevents, alles weg. Das neu erschienene Buch fand durch geschlossene Buchhandlungen gar nicht erst den Weg zur Leserin und schnell kristallisierte sich, dass das keine kurzfristige Krise sei. Und aus dieser kann man nur schwer gestärkt hevor gehen, wenn es noch gar keinen Zeitpunkt gibt, der mit „hervor“ gleichzusetzen wäre.

Natürlich war postiv denken wichtig.

Aber verschwindet dadurch mein Ärger?

Bei mir leider nicht.

Der will trotzdem raus.

Problem: Ärger und Kreativität die gehen nicht so richtig einher. Und letztere brauchte ich doch so dringend für die Neuaufstellung. Die Kinder hatten doch Hunger.

Also wurde der Ärger herzlich Willkommen geheißen und gesellte sich zu Verzweiflung und Hilflosigkeit. Da konnte er es sich täglich bequem machen. Allerdings nur zwischen 11-13h. Mehr Raum bekam er nämlich nicht. Ab 13:01 lenkte ich meine Gedanken um, versuchte wieder selbst irgendwo wirksam zu sein. Egal wo. Bei den Kindern mit Memory spielen, im Garten beim Unkrautzupfen, überall da, wo ich sah: Du bist noch da. Du kannst noch was tun. Und diesen Schwung, den nahm ich mit.

Zum Beispiel zu meiner Freundin und Sparringspartnerin Angie.

„Angie, wenn ich mal irgendwann Zeit und Geld übrig habe, dann mache ich ne Akademie. Eine eigene Akademie.“

Und jetzt meine Damen, kommt es auf den Sparringspartner an.

Denn hier trennt sich die Spreu vom Weizen.

Variante 1:

„Du liebe Güte, wann willst du das denn noch machen? Dann haben Deine Kinder ja noch weniger von Dir! Und wie willst du den Haushalt schaffen?“

Oder Variante 2:

„Ähm, Nicole. Streng genommen hast du das schon alles. Wir müssen das nur noch bündeln. Im bündeln bin ich übrigens gut….Also, wenn Du hilfe brauchst, ich bin da.“

Und so wurde aus meiner Sparringspartnerin meine Sister in Crime und zwei Wochen später stand die Idee: Akademe – alles, was Frauen stark macht.

Streng genommen, war es schon mehr als eine Idee. Es war ein fertiges Konzept mit allem drum und dran. Inklusive Fehlern. Die bügeln wir im Tun aus. Aber währenddessen kann man oder Frau ja schon was tun.

Die Akademe hat mich finanziell bestimmt nicht aus der Krise gerettet, aber sie brachte meine Selbstwirksamkeit zurück. Und auf Angies zahlte sie ein.

Und heute, ein paar Monate später, trainiere ich mehr, als ich das je für möglich gehalten hätte. Und so schwappt die Selbstwirksamkeit auch auf meine Teilnehmerinnen über. Mit Glück vielleicht auch mal in Live. Irgendwann.

Also, Frau Staudinger, dann doch gestärkt aus der Krise?

Vielleicht. Noch sind wir ja drin. Ich persönlich hätte sie nicht gebraucht. Wie auch den Krebs nicht im Übrigen. Aber wenn beides schon mal da ist, dann lasst uns gucken, wie wir es für uns nutzen können. 

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